David (ezzy) @david
Renditekiller Teil 1: Einführung
Renditekiller Teil 1: Einführung
Hallo zusammen, heute starte ich mit einer fünfteiligen Serie zum Thema Behavioral Finance. Wir tauchen ein in die Welt der Verhaltenspsychologie und den Biases, denen wir alle mehr oder weniger unterliegen und erläutern wie diese unserer Performance schaden.
Die Illusion des rationalen Investors
Warum handeln Menschen an der Börse so oft irrational – obwohl sie es besser wissen? Diese Frage steht im Mittelpunkt einer fünfteiligen Serie über die Erkenntnisse der Behavioral Finance. Im ersten Teil geht es um die Grundlagen: Was steckt hinter dem Mythos des rationalen Marktteilnehmers, und welche psychologischen Kräfte untergraben ihn?
Behavioral Finance = Ökonomie + Psychologie
Die herrschende Kapitalmarkttheorie basiert auf der Annahme, dass alle Individuen ein rationales Verhalten an den Tag legen. Dabei wird unterstellt, dass die Nutzenmaximierung im Mittelpunkt des Handelns aller Akteure steht und Entscheidungen stets auf Basis einer vollständigen Verarbeitung aller wesentlichen Informationen getroffen werden. Soweit zur Theorie. Der noch relativ junge Forschungszweig der Behavioral Finance, der Ökonomie mit Psychologie verknüpft, setzt genau hier an. Der Psychologe Amos Tversky hat mit dem späteren Ökonomie-Nobelpreisträger Daniel Kahneman die Grundlagen für die verhaltensorientierte Kapitalmarktforschung gelegt.
Die Wissenschaftler machten Verhaltensmuster transparent, die bis dahin von den Verfechtern rationaler Entscheidungen ignoriert wurden. Diese Verhaltensmuster entstehen, weil das logische Denken – insbesondere in Situationen der Unsicherheit – häufig von Gefühlen überlagert und außer Kraft gesetzt wird.
Warum sich der Mensch selbst im Weg steht
Zu den wichtigsten Ursachen für irrationales Verhalten gehören – neben der Gehirnarchitektur selbst – psychologische Beweggründe. Zum einen möchte der Mensch seine eigene Lage und die seiner unmittelbaren Umwelt so gut wie möglich unter Kontrolle halten.
Die Theorie des Kontrollmotivs geht davon aus, dass jeder Mensch das Bedürfnis hat, sich als Verursacher von Veränderungen seiner Umwelt wahrzunehmen. Ein Verlust der Kontrolle kann schwerwiegende negative Auswirkungen auf das Wohlbefinden haben.
Beispiel: Das Kontrollmotiv in der Praxis
Viele Trader, aber auch Analysten wollen mit aller Gewalt die zukünftige Kursentwicklung voraussagen, statt einfach dem jeweiligen Markt zu folgen und sich bei Bedarf schnell anzupassen. Die krampfhafte Suche nach dem perfekten Einstieg und Ausstieg ist unmöglich – und auch gar nicht nötig, um an den Märkten Geld zu verdienen.
Kognitive Dissonanz: Wenn wir uns selbst belügen
Um das Kontrollbedürfnis zu befriedigen, ist eine Auflösung sogenannter kognitiver Dissonanzen notwendig, die nach einer Entscheidung entstehen können. Ist dem Anleger klar, dass eine getroffene Entscheidung ungünstig war, lässt sich die Dissonanz auf zwei Wegen verringern: Entweder wird die Entscheidung rational revidiert – oder man die eigene Einstellung mittels selektiver Wahrnehmung korrigiert. Beispielsweise neigen Anleger dazu, schlechte Nachrichten zu einer Aktie im Depot herunterzuspielen, während positive Informationen übergewichtet werden.
Im zweiten Teil dieser Serie geht es um Heuristiken: die mentalen Abkürzungen, die unser Urteilsvermögen täuschen – von der mentalen Buchführung bis zum Ankereffekt.
