David (ezzy) @david
Renditekiller Teil 3: Muster, die es nicht gibt
Renditekiller Teil 3: Muster, die es nicht gibt
In den ersten beiden Teilen dieser Serie haben wir das Kontrollmotiv, kognitive Dissonanzen sowie die mentale Buchführung und den Ankereffekt beleuchtet. Heute widmen wir uns einem weiteren Phänomen der menschlichen Wahrnehmung: der Repräsentativitätsheuristik – und was sie mit unserem Anlageverhalten macht.
Zusammenhänge, die gar nicht existieren
Ein weiteres Phänomen zur schnellen Urteilsfindung ist die sogenannte Repräsentativitätsheuristik. Jeder Mensch hat eine Vielzahl von Schemata im Kopf, die durch Erfahrungen oder Lernen entstanden sind. Probanden, die beurteilen sollen, welche Münzwurffolge wahrscheinlicher ist – KKKK oder KZZK – halten meist die letztere für wahrscheinlicher. Statistisch betrachtet handelt es sich jedoch um jeweils unabhängige Ereignisse; die Wahrscheinlichkeit für beide Szenarien beträgt 0,5⁴ = 6,25 %.
Da das menschliche Gehirn dafür gemacht ist, Muster intuitiv zu erkennen, führt uns das Denksystem oft in die Irre. So neigen Menschen dazu, Wahrscheinlichkeiten von vermeintlich typischen Ereignissen zu überschätzen. Ebenso werden empirische und kausale Zusammenhänge überbewertet – oder sogar dann gesehen, wenn gar keine vorhanden sind. Letzteres lässt sich mit dem im ersten Teil beschriebenen Kontrollbedürfnis in Verbindung bringen.
Relatives Bewerten: Der versteckte Maßstab
Neben den Heuristiken spielt die Tatsache, dass Menschen stets relativ bewerten, eine große Rolle in der Behavioral Finance. Studien belegen: Die meisten Menschen würden lieber in einer Umwelt mit 100.000 Euro eigenem Vermögen leben, in der alle anderen nur 50.000 Euro haben, als in einer Umwelt mit 200.000 Euro, in der alle anderen 300.000 Euro besitzen. Diese relative Wahrnehmung hinterlässt auch im Investorenverhalten deutliche Spuren – und bildet die Grundlage für den Dispositionseffekt, dem wir im nächsten Teil dieser Serie auf den Grund gehen.
Fazit: Heuristiken als Performancekiller
Per Saldo zeigt sich: Die Anwendung von Heuristiken führt häufig zu Fehleinschätzungen und suboptimalen Entscheidungen. Das Gute daran – wer typische Denkmuster kennt, kann gegensteuern.
Im vierten Teil folgt der teuerste Fehler vieler Anleger: der Dispositionseffekt und der Reflection-Effekt – warum wir Gewinner zu früh verkaufen und Verlierer zu lange halten.
