David (ezzy) @david
Renditekiller Teil 4: Dispositionseffekt
Renditekiller Teil 4: Dispositionseffekt
Bisher haben wir in dieser Serie Heuristiken, das Kontrollmotiv und relatives Bewerten kennen gelernt. Heute geht es um die gravierendsten Verhaltensanomalien für das Depot: den Dispositionseffekt und den Reflection-Effekt – zwei Phänomene, die selbst erfahrene Investoren immer wieder Geld kosten.
Renditekiller Nr. 1: Der Dispositionseffekt
Jeder Anleger hat es schon erlebt: Aktien mit hohen Kursgewinnen werden zu früh verkauft, während jene, die von Tief zu Tief fallen, noch immer im Depot schlummern. Woran liegt das?
Für den Anleger fungiert der Einstiegskurs als Bezugspunkt und definiert die Gewinn- und Verlustzone. Laut Kahneman und Tversky werden Verluste etwa doppelt so stark empfunden wie Gewinne gleicher Höhe. Anfängliche Kursgewinne sorgen zwar für Freude, aber die Intensität dieses positiven Gefühls nimmt mit steigenden Buchgewinnen nur unterproportional zu. Bei zwischenzeitlichen Rückschlägen steigt daher die Tendenz, den Gewinn – meist zu früh – mitzunehmen.
Im Verlustbereich zeigt die abnehmende Sensitivität zunächst die gleiche Wirkung: Der Ärger über den ersten verlorenen Euro ist am höchsten und nimmt dann ab. Dies hat fatale Folgen, denn mit jedem weiteren Kursrückgang gewinnt der Faktor Hoffnung an Bedeutung – meist mit negativem Ausgang.
Vorzeitige Gewinnmitnahmen und die Tendenz, zu lange an Verlustpositionen festzuhalten, sind auf den Dispositionseffekt zurückzuführen."
Total irrational: Der Reflection-Effekt
Eine besonders irrationale Verhaltensform, die sich aus der abnehmenden Sensitivität gegenüber Wertveränderungen ergibt, ist der Reflection-Effekt. Beim Übergang von Gewinn- zu Verlustszenarien verhalten sich Entscheider genau umgekehrt – und damit in höchstem Maße irrational.
Beispiel: Reflection-Effekt
Zur Wahl stehen: A) sicherer Gewinn von 1.000 Euro, oder B) Gewinn von 2.000 Euro mit 50 % Wahrscheinlichkeit. Die Mehrheit wählt A – verhält sich also risikoavers.
Bei umgekehrten Vorzeichen (1.000 Euro sicherer Verlust vs. 2.000 Euro Verlust mit 50 % Wahrscheinlichkeit) werden dieselben Probanden überraschenderweise risikofreudig und wählen die riskantere Option. Der unsichere Verlust wird subjektiv als weniger schlimm empfunden als der sichere.
Diese asymmetrische Risikoaversion erklärt zahlreiche Fehlentscheidungen an den Märkten – von übertriebener Risikofreude in Verlustphasen bis hin zu unnötig frühen Gewinnrealisierungen.
Im fünften und letzten Teil dieser Serie geht es um den Rückschaueffekt, Overconfidence – und was Anleger konkret tun können, um sich selbst zu überlisten.
