David (ezzy) @david
Renditekiller Teil 5:
Renditekiller Teil 5:
In dieser abschließenden Folge unserer fünfteiligen Serie über Behavioral Finance werfen wir einen Blick auf den Rückschaueffekt und die Überschätzung der eigenen Fähigkeiten. Und wir zeigen: Es gibt konkrete Wege, die eigenen Denkfallen zu umgehen.
Hinterher ist jeder klüger: Der Rückschaueffekt
Gerade an der Börse zeigt sich, dass klassische Fehler immer wieder aufs Neue begangen werden. Auch im Alltag ist der sogenannte Rückschaueffekt zu beobachten. Fragt man heute einen Investor, ob er den Dotcom-Crash oder die Finanzkrise vorausgesehen hat, dürfte die Antwort sehr häufig mit einem Nicken bejaht werden – auch wenn die damalige Einschätzung komplett danebenlag.
Woran liegt das?
Keiner gibt gerne zu, falsch gelegen zu haben. Die Gefahr dieser Neigung liegt vor allem in der Überschätzung der eigenen Fähigkeiten (Overconfidence). Denn wer glaubt, in der Vergangenheit vieles richtig prognostiziert zu haben, wird dies fälschlicherweise auch von der Zukunft annehmen. Ein Lerneffekt kann sich so nicht einstellen.
Überliste dich selbst!
Behavioral Finance macht klar: Das Verhalten der Marktteilnehmer ist alles andere als vollständig rational. Emotionen und Erfahrungen spielen eine entscheidende Rolle. Die Rationalitätsfallen – Heuristiken, relatives Bewerten, Streben nach Dissonanzfreiheit – stehen im klaren Gegensatz zur Theorie des homo oeconomicus.
Wer typische Verhaltensfehler bei sich selbst erkennt, kann seine eigenen Entscheidungen verbessern. Gleichzeitig kann man die durch das Fehlverhalten anderer entstehenden Ineffizienzen nutzen."
Der Contrarian-Ansatz – das Schwimmen gegen den Strom – wird am Kapitalmarkt mit überdurchschnittlicher Rendite belohnt, wenn Extremstimmungen wie Gier oder Panik zu beobachten sind. Die Marktentwicklung während des Corona-Crashs und die anschließende Rallye liefert hierfür ein exzellentes Beispiel.
10 Tipps für rationalere Anlageentscheidungen
→ Konzentriere dich auf wesentliche Informationen und analysiere diese sehr genau.
→ Leicht greifbare Nachrichten sind auch für andere verfügbar – die Gefahr, dass sie bereits in den Kursen stecken, ist hoch.
→ Suche aktiv Menschen mit einer konträren Meinung. Wer deiner Analyse zustimmt, hat meist dieselbe Position.
→ Lass dich nicht von Stimmungsmache ablenken – triff deine eigene Entscheidung.
→ Sorge für ausreichende Diversifikation deiner Anlagen.
→ Gehe diszipliniert vor: Setze dir vor der Transaktion klare Kauf- und Verkaufsziele.
→ Behalte das große Bild im Auge, statt auf jede aktuelle Neuigkeit zu reagieren.
→ Vermeide Entscheidungen, die von Panik oder Euphorie getrieben werden.
→ Erkenne eigene Fehler und sieh diese als Lernchance.
→ Je neutraler und rationaler eine Entscheidung getroffen wird, desto besser – auch wenn vollständige Rationalität ein Ideal bleibt.
Fazit der Serie
Kapitalmarktteilnehmer handeln in der Praxis nicht wie der Homo Oeconomicus: Sie neigen beim Wahrnehmen, Erinnern, Denken und Urteilen zu Fehlern – systematisch und häufig unbewusst. Diese kognitiven Verzerrungen wirken sich negativ auf die Performance aus. Wer sie kennt, hat einen entscheidenden Vorteil.
