Ist Trading ein intellektuelles Spiel? Geht es um Indikatoren, Setups und Strategien.. oder ist es in erster Linie ein emotionales Game? Wie seht ihr das? Welche Erfahrungen habt ihr bereits gesammelt, welche davon waren bisher die lehrreichsten?
Bei dem Zitat: „Trading is not an intellectual activity. It's an emotional one.“ bin ich auf Steven Goldstein bei X gestoßen. In einen seiner letzten Post schreibt er: "Viele der erfolgreichsten Trader und Investoren haben miserable Trefferquoten. – Warren Buffett, zweifellos der größte Investor der Geschichte, hat eine Trefferquote von 4 %. Was er hat, ist ein Risikoprozess, der funktioniert. Minimale Verluste, wenn er falsch liegt. Erhebliche Gewinne, wenn er richtig liegt."
Meine Frage sind die 4% verifizierbar oder falsch interpretiert?
Trading ist in erster Linie ein Handwerk, welches viel Erfahrung erfordert. Genauso wie Tischler, Arzt oder Anwalt. Jemand, der 1 oder 2 Jahre ab und an tradet, hat einfach nicht genügend Erfahrung. Dann wird oft die mentale oder emotionale Komponente als Erklärung herangezogen.
Ich bin davon überzeugt, dass die mentale Stärke eine sehr wichtige Eigenschaft im Trading ist (gilt aber eigentlich für jeden Beruf). Diese kommt aber erst zum Tragen bzw. bekommt mehr Gewicht, wenn man das Handwerk beherrscht. Dann kommt auch die Emotion ins Spiel wie von David angemerkt. Man will vielleicht auch weitere Grenzen ausloten, etc. Wann dieser Zeitpunkt gekommen ist, hängt davon ab, wieviel Zeit und Energie man ins Trading steckt.
Eine Erfahrung, die ich selbst leider noch immer viel zu oft mache, möchte ich noch teilen: sobald ich meine mir auferlegte Positionsgröße verlasse, gehen meine Trades idR nicht gut aus. Dann kommt tatsächlich Emotion ins Spiel. Wenn ich meine Positionsgrößen sauber einhalte, ist es nahezu wie eine Fließbandarbeit. An dieser Erfahrung darf ich also noch etwas arbeiten :-)
Ich selber habe noch meine Probleme meine unterschiedlichen Strategien deutlicher zu trennen. Traden ist nicht gleich investieren, und trotzdem vermische ich beides noch hin und wieder, oder versuche es zu kombinieren. Heist: Beim Traden sollte ich mehr auf die Charttechnik vertrauen (wo ich zugegebener Weise noch viel Lehrbedarf habe), und darf nicht in die "Verliebtheit" in ein Unternehmen (aufgrund Geschäftsmodel oder fundamentaler Daten) verfallen. Die Sache mit der Gier und Angst kommt da auch noch dazu, was das ganze nicht besser macht....
@Oliver Danke für deine Perspektive. Das Thema Trading vs. Investieren ist ein Klassiker. Oft wird aus einem schlechten Trade dann eine Postion gemacht, die als "Investment" deklariert wird und umgekehrt, wenn man zu früh aus einem Investment aussteigt, obwohl es nur Noise war. Mein Tipp ist: beides trennen, geht z.B. ganz einfach mit Subaccount mit IB oder sogar 2 verschiedene Broker, bewusst physisch getrennt, das hilft unserem Gehirn. Man könnte auch festlegen, dass man Investments nur einmal monatlich analysiert usw. und das Trading-Depot z.B. täglich begleitet. Ganz wichtiger Tipp beim Investieren: don`t marry your stocks - das ist eine ganz wichtige Lektion.
Hier prallen Theorie und Wirklichkeit (= praktische Umsetzung) heftigst aufeinander. Nahezu jedem, der im Wertpapierhandel aktiv ist, weiss, das Emotionen hierbei keine Rolle spielen sollten/dürfen. Aber in der Wirklichkeit sieht es sehr oft anders aus: Wenn wir einmal ehrlich zu uns selbst sind, dann schwanken wir grundsätzlich häufig zwischen 2 Polen: Gier frisst Verstand und Angst frisst Rendite. Ich spreche hier selbstverständlich auch von mir selbst. Zwar wechsele ich seit ca. 1 Jahr immer mehr ins Feld des regelbasierten Handelns, erleide aber zwischendurch leider immer wieder mal Rückfälle.
Meiner Meinung nach bringt das beste Setup nichts mehr, wenn man emotional am Geld hängt und Angst hat, es zu verlieren. In der Vergangenheit habe ich aus Angst Gewinne nicht voll ausgeschöpft und Verluste nicht konsequent genommen. Zum Glück habe ich in den letzten Jahren dazu gelernt.